Vernarbungen der Stimmlippen – was ist das?
Bei einer Stimmlippen-Vernarbung (Fibrose) ist die „Gleitschicht“ der Stimmlippe verhärtet. Die Schleimhaut kann dann nicht mehr frei wellenförmig schwingen – die Folge sind Heiserkeit, angestrengter Klang, schneller Stimmverlust und oft eine höhere Sprechlage. Vernarbungen entstehen nach Operationen, schweren Entzündungen, Verletzungen (z. B. bei Intubation) oder auch nach mehrfachen Eingriffen. Eine vollständige Normalisierung ist nicht immer möglich; spürbare Verbesserungen sind jedoch mit der richtigen Therapie häufig erreichbar.
Sonderform: Synechie / vordere Glottis-Verwachsung (Web)
Verwachsen die Stimmlippen vorn („anterior glottic web“), leidet die Stimme oft deutlich, selten auch die Atmung. Die Behandlung erfolgt endoskopisch (Trennung/Schienung), teils mit Keil/Keel; Verfahren und Nachbehandlung werden individuell gewählt. Ziel: Stimme und Atmung verbessern und erneute Verwachsung verhindern.
Im Video erzählt Frau S.G. über ihre Behandlung im MEVOC
Einen genauen Überblick über das Thema lesen Sie in diesem Artikel
„Vocal fold scars: current concepts and future directions“
Behandlung – realistisch, stufenweise, individuell
1) Konservativ (Basis)
-
Stimmtherapie zur Ökonomisierung (Atem-/Resonanzübungen, Abbau von Pressmustern) – verbessert die Nutzbarkeit der Stimme und begleitet jede weitere Maßnahme.
-
Begleitfaktoren behandeln: Reflux-Kontrolle, Reizstoffe meiden, Hydrierung, ggf. Allergiemanagement.
2) Injektionstherapien (office-based oder in Narkose)
-
Kortison (intralesional): kann Steifigkeit und Entzündung reduzieren und die Schwingung verbessern; Evidenz nimmt zu.
-
Volumenaugmentation (z. B. Hyaluronsäure, Fett) kann Glottisspalt verringern und die Verständlichkeit verbessern – repariert die Narbe nicht, kompensiert aber.
3) Platelet-Rich Plasma (PRP) – Eine vielversprechende Therapie
Eine vielversprechende Alternative: Von der Rekonstruktion zur Regeneration
Besonders vielversprechend sind die Fortschritte im Bereich regenerativer Verfahren. Die klassische Phonochirurgie versucht, die Folgen der Stimmlippenvernarbung auszugleichen. Die regenerative Medizin verfolgt ein anderes Ziel: Sie möchte die geschädigte Lamina propria biologisch reparieren. Hier liegt möglicherweise die Zukunft der Narben-Therapie. In den letzten Jahren hat die Anwendung von Platelet-Rich-Plasma-(PRP) -Injektionen in den Stimmlippen besondere Aufmerksamkeit gefunden. PRP wird aus patienteneigenem Blut gewonnen und enthält hohe Konzentrationen verschiedener Wachstumsfaktoren.
Frau Dr. Segler bei der Injektion von PRP in die geschädigten Stimmlippen.


