Reinke-Ödem

Stimmbandödem, Stimmlippenödem

Reinke-Ödem – was ist das?

Ein Reinke-Ödem ist eine Verdickung der obersten „Gelschicht“ der Stimmlippe (Reinke-Raum), bei der sich gelartige Flüssigkeit einlagert. Oft sind beide Stimmlippen betroffen.
Durch das Mehrgewicht schwingen die Stimmlippen langsamer und unregelmäßig – die Stimme klingt tiefer, rauer und angestrengter. Wenn Atmung oder Stimmfunktion deutlich beeinträchtigt sind, ist eine Operation sinnvoll. Reinke-Ödeme sind eine häufige Ursache chronischer Heiserkeit.
Reinke-Ödeme gehören zu den häufigen Stimmstörungen.

Wer ist besonders betroffen?

Überdurchschnittlich häufig Frauen ab etwa 40 Jahren, vor allem Raucherinnen. Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor; auch stimmliche Überlastung und laryngopharyngealer Reflux (LPR) können mitwirken. PubMed+1Wiley Online Library

Symptome (typisch)

  • Heiserkeit, tiefer werdende Stimme, rauer/„verhauchender“ Klang

  • eingeschränkter Stimmumfang (v. a. Höhenverlust), schnelle Stimmermüdung

  • bei sehr großen Ödemen: Atemenge/Schnarchen; in Studien besteht eine Häufung von Schlafapnoe-Beschwerden – bei entsprechenden Symptomen sollte man das abklären. PubMedjvoice.org

Behandlung in Vollnarkose

Die Standardtherapie ist eine schonende Operation in Vollnarkose (Mikrolaryngoskopie). Bei großen beidseitigen Ödemen erfolgt sie manchmal gestuft in zwei oder mehr Eingriffen.
Nach fachgerechter Abtragung verbessern sich Atmung und Stimmgebung; die Stimme wird meist etwas heller, der individuelle Stimmklang bleibt in der Regel erhalten.

Reinke-Ödem

Laserbehandlung in örtlicher Betäubung

Als Alternative kommt ein photoangiolytischer Laser (z. B. KTP- oder Blue-Laser) in lokaler Betäubung infrage. Der Laser verödet feine Blutgefäße in der Stimmlippe; das Ödem „trocknet“ in den folgenden Tagen ab. Meist sind wenige, wiederholte kurze Sitzungen nötig. Im MEDICAL VOICE CENTER, wie auch in den USA, hat sich die KTP-Laser-Therapie fast schon als Routineverfahren bei der Behandlung des Reinke-Ödems durchgesetzt.

Was Sie sonst noch wissen sollten

Ein Reinke-Ödem bildet sich nicht von selbst zurück; Abwarten oder reine Stimmschonung verkleinern es nicht. Stimmtherapie kann helfen, die Stimmtechnik zu verbessern, ersetzt bei relevantem Ödem aber nicht die Operation.
Wichtigster Risikofaktor ist Rauchen; ohne Nikotinkarenz kann das Ödem erneut auftreten.
Begünstigende Faktoren sind Rauchen, stimmliche Überlastung und laryngo-pharyngealer Reflux (Branski 2009). Am häufigsten betroffen sind Frauen zwischen 40 und 60 Jahren (Zhukhovitskaya 2015).
Reinke-Ödeme sind in der Regel gutartig und keine Krebsvorstufe. Sehr große Ödeme können den Kehlkopfeingang verengen und Atembeschwerden verursachen – dann ist eine Behandlung dringend zu empfehlen.

Die Erfahrungen der Patientin M.T.
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Tülay Yaman berichtet über Ihre Reinke-Ödeme

Fallbeispiel

Anamnese
Frau B., 49 jährige selbstständige Unternehmensberaterin, hatte schon immer eine tiefe Stimme. Seit einigen Jahren hat sich das verstärkt und sie wird am Telefon häufig für einen Mann gehalten. Inzwischen leidet sie auch unter Stimmermüdung und häufigem Nicht-Ansprechen der Stimme. Zeitweise verspürt sie eine Einschränkung der Atmung und ein Engegefühl mit einem Atemgeräusch besonders beim Einatmen. Sie raucht seit dem 16. Lebensjahr, zur Zeit etwa 20 Zigaretten pro Tag.

Befunde
Bei der Untersuchung ist ein sehr tiefer und rauer Stimmklang zu hören. Mit der Videolaryngoskopie stellen sich deutlich ausgeprägte Reinkeödeme an beiden Stimmlippen dar, die bei Einatmung zur Mitte kommen und den Atemweg dadurch einengen. Der Schwingungsablauf der Stimmlippen bei der Stroboskopie ist unregelmäßig.

Empfehlung und Verlauf
Es wird eine Operation zur Abtragung der Ödeme in Vollnarkose empfohlen. Aufgrund der Größe der Ödeme kann bei der ersten Operation nur ein Teil der Ödeme entfernt werden. Bei der histologischen Untersuchung ergibt sich kein Anhalt für Veränderungen, die auf Vorstufen zu Kehlkopfkrebs hinweisen. Die Atmung ist nun frei und die Stimmgebung deutlich leichter. Dennoch entscheidet sich die Patientin zu der ihr empfohlenen 2. Operation. Nach diesem, 3 Monate später durchgeführten Eingriff ist der Stimmklang klarer und etwas heller und Frau B. hat keinerlei Stimmbeschwerden mehr.

Erläuterung
Reinkeödeme sind Verdickungen der Stimmlippen mit einer Einlagerung einer gallertigen oder flüssigen Substanz, meistens an beiden Stimmlippen. Betroffen sind besonders häufig Frauen, die älter als 30 Jahre sind und rauchen. In der Regel sind Reinkeödeme nicht bösartig und es handelt sich auch nicht um eine Vorstufe zu einer bösartigen Veränderung. Durch die Verdickung der Stimmlippen schwingen diese bei der Stimmgebung langsamer und unregelmäßiger, was die tiefe und raue Stimme erklärt. Wenn die Ödeme sehr groß sind, können sie auch den Kehlkopfeingang verengen und zu Atembeschwerden führen. Nach einer fachgerecht durchgeführten Abtragung der Ödeme verbessern sich Atmung und Stimmgebung. Die Stimme klingt dann nicht mehr so rau und angestrengt, sie wird meist etwas heller, aber der individuelle Stimmklang ändert sich in der Regel nicht wesentlich. Manchmal sind 2 oder mehr Operationen erforderlich.