Anamnese
Frau B., 49 jährige selbstständige Unternehmensberaterin, hatte schon immer eine tiefe Stimme. Seit einigen Jahren hat sich das verstärkt und sie wird am Telefon häufig für einen Mann gehalten. Inzwischen leidet sie auch unter Stimmermüdung und häufigem Nicht-Ansprechen der Stimme. Zeitweise verspürt sie eine Einschränkung der Atmung und ein Engegefühl mit einem Atemgeräusch besonders beim Einatmen. Sie raucht seit dem 16. Lebensjahr, zur Zeit etwa 20 Zigaretten pro Tag.
Befunde
Bei der Untersuchung ist ein sehr tiefer und rauer Stimmklang zu hören. Mit der Videolaryngoskopie stellen sich deutlich ausgeprägte Reinkeödeme an beiden Stimmlippen dar, die bei Einatmung zur Mitte kommen und den Atemweg dadurch einengen. Der Schwingungsablauf der Stimmlippen bei der Stroboskopie ist unregelmäßig.
Empfehlung und Verlauf
Es wird eine Operation zur Abtragung der Ödeme in Vollnarkose empfohlen. Aufgrund der Größe der Ödeme kann bei der ersten Operation nur ein Teil der Ödeme entfernt werden. Bei der histologischen Untersuchung ergibt sich kein Anhalt für Veränderungen, die auf Vorstufen zu Kehlkopfkrebs hinweisen. Die Atmung ist nun frei und die Stimmgebung deutlich leichter. Dennoch entscheidet sich die Patientin zu der ihr empfohlenen 2. Operation. Nach diesem, 3 Monate später durchgeführten Eingriff ist der Stimmklang klarer und etwas heller und Frau B. hat keinerlei Stimmbeschwerden mehr.
Erläuterung
Reinkeödeme sind Verdickungen der Stimmlippen mit einer Einlagerung einer gallertigen oder flüssigen Substanz, meistens an beiden Stimmlippen. Betroffen sind besonders häufig Frauen, die älter als 30 Jahre sind und rauchen. In der Regel sind Reinkeödeme nicht bösartig und es handelt sich auch nicht um eine Vorstufe zu einer bösartigen Veränderung. Durch die Verdickung der Stimmlippen schwingen diese bei der Stimmgebung langsamer und unregelmäßiger, was die tiefe und raue Stimme erklärt. Wenn die Ödeme sehr groß sind, können sie auch den Kehlkopfeingang verengen und zu Atembeschwerden führen. Nach einer fachgerecht durchgeführten Abtragung der Ödeme verbessern sich Atmung und Stimmgebung. Die Stimme klingt dann nicht mehr so rau und angestrengt, sie wird meist etwas heller, aber der individuelle Stimmklang ändert sich in der Regel nicht wesentlich. Manchmal sind 2 oder mehr Operationen erforderlich.