Kehlkopf-Papillome

Stimmbandpapillome, Stimmlippenpapillome, Kehlkopfpapillomatose, Larynxpapillomatose

Was ist das – Kehlkopfpapillome?

Kehlkopf-Papillome sind gutartige Wucherungen, die durch Humane Papillomviren (HPV) entstehen. Sie ähneln Warzen. Sind die Stimmlippen betroffen, spricht man von einer Kehlkopf- oder Larynx-Papillomatose. Diese Erkrankung ist selten, stört aber die Schwingungen der Stimmlippen und führt daher meist früh zu Heiserkeit. In seltenen Fällen können Papillome bösartig werden.

Papillomatose der Stimmlippen

Viele Menschen tragen HPV in sich, doch nur wenige entwickeln sichtbare Papillome (in Deutschland etwa 3 von 100.000). Man unterscheidet zwei Formen:

  • juvenile Form: tritt bei Kindern auf

  • adulte Form: betrifft Erwachsene

Am häufigsten sind die Typen HPV 6 und 11, die in der Regel gutartig bleiben. High-risk-Typen können dagegen ein höheres Risiko für bösartige Veränderungen haben.
Vieles über die Entstehung der Kehlkopfpapillomatose ist noch ungeklärt.

Frühe Papillome sind oft nur mit modernen Untersuchungstechniken sichtbar. Wir nutzen hochauflösende Optiken und spezielle Lichtfilter, um selbst kleinste Veränderungen zu erkennen. So kann die Erkrankung früh diagnostiziert und behandelt werden.
Die endgültige Bestätigung erfolgt immer durch eine Gewebeuntersuchung (Histologie). Dabei wird auch der HPV-Typ bestimmt.
Im MEVOC haben wir die Möglichkeit, in örtlicher Betäubung mit HD-chip-on-the-tip-Optiken und spezieller Lichtfilterung die Stimmlippenoberfläche stark vergrößert zu sehen, so dass wir schon frühzeitig die Verdachtsdiagnose stellen und eine entsprechende Therapie einleiten können.

Kehlkopf-Papillome

Synonyme
Kehlkopfpapillome, Kehlkopfpapillomatose, Larynxpapillomatose, Larynxpapillome, Rezidivierende Larynxpapillomatose, Recurrent Respiratory Papillomatosis (RRP), Stimmbandpapillome, Stimmlippenpapillome, Stimmbandknötchen

Videobericht der Patientin Antje S. über die Entfernung der Papillome mit dem Laser
Videobericht der Patientin Michelle vor und nach ihrer Papillom-OP
Über das Abtragen der Kehlkopf-Papillome mit dem Laser berichtet Marcus S.
S.B. über die Entfernung ihres Papilloms am Zungengrund.
T. W. über seine Behandlung im MEDICAL VOICE CENTER
J.H. über seine Behandlung der Kehlkopf-Papillome

Die operative Therapie

Zur Sicherung der Diagnose wird zunächst meist eine Operation in Vollnarkose durchgeführt. Dabei entfernen wir die Papillome mikrochirurgisch, um die empfindliche Stimmlippenschleimhaut zu schonen und Narben zu vermeiden. Radikale Eingriffe sind nicht sinnvoll, da sie die Stimme dauerhaft schädigen können, ohne Rückfälle zu verhindern.
Da Papillome oft wiederkehren, können mehrere Eingriffe im Laufe der Zeit nötig sein. Da es sich bei der Papillomatose der Stimmlippen um eine Veränderung der oberflächlichen Schleimhaut handelt, sollten bei einer Operation nur diese oberflächlichen Papillome mikrochirurgisch abgetragen werden, um bleibende Schäden durch eine Vernarbung oder eine Synechie-Bildung (Verwachsung zwischen den Stimmlippen) mit einer daraus folgenden chronischen, schweren Störung der Stimmqualität oder sogar der Atmung zu vermeiden.

In vielen Fällen kommt es über Jahre immer wieder zu einem erneuten Auftreten der Stimmlippenpapillome (rezidivierende Larynxpapillomatose) und weitere Operationen sind erforderlich. Manche Patienten müssen mehrmals im Jahr operiert werden, damit einerseits die Stimme gut bleibt, andererseits aber die Stimmlippen nicht vernarben. Eine „radikale“ Abtragung der Papillome hilft nicht, ein Rezidiv zu verhindern, kann aber zu einer dauerhaften Stimmverschlechterung führen. Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen des Kehlkopfes ist ‚Radikalität der Gewebsentfernung’ bei einer solchen Operation definitiv nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Kehlkopf-Papillome mit dem Laser schonend behandeln

Eine Alternative zur Vollnarkose ist die ambulante Laserbehandlung in örtlicher Betäubung. Hierbei wird eine dünne Laserfaser durch den Mund oder die Nase bis zu den Stimmlippen geführt. Der KTP- oder Blue-Laser verödet gezielt die Blutgefäße im Papillom, während die Schleimhaut geschont wird. Das Papillom trocknet aus und verschwindet innerhalb weniger Tage.
Vorteil: Häufig können damit wiederholte Vollnarkosen vermieden werden.

Diese neue Behandlungsmethode ist in Deutschland bisher leider nur wenig bekannt. Der KTP-Laser (Kalium-Titanyl-Phosphat-Laser) hat eine Wellenlänge von 532 nm, so dass die Laserstrahlen von Blutgefäßen bis zu 1.000.000 Mal mehr absorbiert werden als Wasser bzw. weißes oder wasserhaltiges Gewebe. Der Blue Laser ist eine aktuelle Weiterentwicklung des KTP-Lasers. Diese Eigenschaft des KTP-Lasers bzw. Blue Lasers werden genutzt, um nur die Blutgefäße innerhalb der Stimmlippe zu veröden und die darüber liegende Schleimhaut zu schonen – ähnlich wie bei der dermatologischen Behandlung von Besenreisern in der Haut. Das Veröden der oberflächlichen Gefäße innerhalb der Stimmlippe führt zum „Austrocknen“ der Papillome nach einigen Tagen. Die Laserung kann sehr gut in örtlicher Betäubung beim wachen Patienten vorgenommen werden. Dazu wird die flexible Laserfaser unter Sicht mit einer Optik durch den Mund (transoral) oder durch die Nase (transnasal) bis an die Stimmlippen geführt, so dass das Gewebe innerhalb von wenigen Minuten behandelt werden kann.

Kehlkopf-Papillome können – ähnlich wie Warzen – auch nach einer vollständigen operativen Entfernung wiederkommen. Viele Patienten benötigen mehrfache Operationen. Wir haben in der Behandlung ein Konzept entwickelt, in dem die operative Abtragung in Vollnarkose und / oder in örtlicher Betäubung mit der Injektion eines Virostatikums und anderen Maßnahmen kombiniert wird und mit dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben.

Weitere Therapiemaßnahmen

Wir setzen meist auf eine Kombination mehrerer Verfahren, um die Erkrankung bestmöglich zu kontrollieren:

  • phonomikrochirurgische Operation in Vollnarkose

  • Laserbehandlung in örtlicher Betäubung

  • wiederholte Injektionen nach festem Schema

  • Impfung mit polyvalentem HPV-Impfstoff

Das sagen unsere Patienten

Fallbeispiel

Anamnese
Herr H., 39 jähriger Angestellter in einem Großhandel mit Stimmbelastung durch Telefonate und Kundengespräche, bemerkt seit 1-2 Jahren eine allmählich zunehmende Stimmveränderung mit leichter Heiserkeit und Stimmermüdung nach längeren Gesprächen. Da er seit 20 Jahren 20-40 Zigaretten pro Tag raucht, ist er besorgt, dass eine bösartige Veränderung am Kehlkopf vorliegen könnte. Bei der ersten Untersuchung vor 1 Jahr beim behandelnden HNO-Arzt waren keine Auffälligkeiten gesehen worden.
Befunde
Bei der Untersuchung klingt die Stimme nur leicht heiser. Mit der Videolaryngoskopie mit starker Vergrößerung sind auf beiden Stimmlippen oberflächliche Schleimhautveränderungen zu erkennen. Das für Papillome typische Aussehen stellt sich besonders gut bei der Nahaufnahme mit NBI-Technologie dar.
Empfehlung und Verlauf
Es wird eine Operation mit Abtragung der Papillome in Vollnarkose empfohlen. Bei der histologischen Untersuchung des entnommenen Gewebes werden Papillome vom HPV-Typ 6 nachgewiesen ohne Anhalt für Bösartigkeit. Nach der Operation hat Herr H. keine Stimmbeschwerden mehr. Er wird jedoch darüber informiert, dass mit einem erneuten Auftreten der Papillome gerechnet werden muss und in diesem Falle weitere Operationen notwendig würden. Als Alternative zur Operation in Vollnarkose könnte dann auch eine ambulante Operation in Sprühbetäubung in der Ambulanz mit dem neuen KTP-Laser erfolgen.
Erläuterung
Papillome am Kehlkopf sind besonders an den Stimmlippen zu finden und führen dann zu Heiserkeit. Sie entstehen in Zusammenhang mit einer Infektion mit HPV (Humanes Papillom Virus). Der Großteil der Bevölkerung ist infiziert, aber nur wenige erkranken (in Deutschland 3 von 100.000). Die Ursache dafür ist bisher nicht geklärt. Eine bösartige Entartung ist bei den am häufigsten auftretenden Virustypen (HPV Typ 6 und 11) sehr selten. Bei bestimmten Typen (high-risk Typen) kann es eher zur Entartung kommen. Bei der Papillomatose der Stimmlippen handelt es sich um eine Veränderung der oberflächlichen Schleimhaut. Daher sollte bei einer Operation nur diese oberflächliche Veränderung abgetragen werden, um bleibende Schäden durch eine Vernarbung zu vermeiden. In vielen Fällen kommt es über Jahre immer wieder zu einem erneuten Auftreten der Stimmlippenpapillome (rezidivierende Larynxpapillomatose) und weitere Operationen sind erforderlich. Manche Patienten müssen mehrmals im Jahr operiert werden.
Eine allgemein anerkannte und in Deutschland zugelassene kausale Behandlung gibt es bisher nicht. Eine Impfung mit einem Impfstoff gegen HPV ist ggf. empfehlenswert – Studien hierzu stehen noch aus. Seit einigen Jahren wird die mehrmalige Injektion mit einem Virustatikum in die Läsionen empfohlen. Dies scheint bei manchen Patienten zu einer geringeren Rezidivrate zu führen – auch hier liegen noch keine ausreichenden Studien vor und in Deutschland ist das Medikament für die Behandlung der Larynxpapillomatose bisher nicht zugelassen. Wir haben damit bereits gute Erfolge erzielen können.