R-CPD (Retrograde Cricopharyngeale Dysfunktion)

Ich kann nicht rülpsen!

R-CPD – Was ist das?

Viele Menschen haben ein seltsames Leiden: Sie können nicht aufstoßen. Oft denken diese Menschen, dass es nur ihnen so geht und wissen nicht, dass sie viele Leidensgenossen haben. Sie haben eine Retrograde Cricopharyngeale Dysfunktion, kurz R-CPD genannt.

R-CPD – was passiert eigentlich?

R-CPD bedeutet: Der obere Speiseröhrenschließmuskel (cricopharyngealer Muskel, „UES“) öffnet sich beim Aufstoßen nicht. Luft, die aus Magen/ Speiseröhre aufsteigen will, bleibt „gefangen“ – es kommt zu Bauchdruck/Blähbauch, hörbaren „Gurgelgeräuschen“ hinter Brustbein/Hals, vermehrten Winden und der Unfähigkeit zu rülpsen. Dieses Symptom-Quartett ist typisch. PMC+1

 „Ich bin 30 Jahre und ich habe nie rülpsen können. Wenn ich versuche zu rülpsen, kommt entweder nur ein künstliches Husten raus, oder Du musst Dich beinahe übergeben. Ich denke, das schlimmste Symptom für mich war das Gurgeln im Hals.“
„Kohlensäurehaltige Getränke sind die Hölle. Durch die Luft wird mir nicht sofort übel, aber ich habe starke Schmerzen in der Brust. Ich habe jeden Tag diese Schmerzen, deshalb kann ich nicht viel machen. Manchmal haue ich mir stark auf die Brust und versuche, die Luft heraus zu zwingen.“
„Ich kann, wie viele andere auch, nie rülpsen. Ich habe große Probleme mit Völlegefühl, Blähungen und Halskrausen. Die einzige Erleichterung, die ich finden konnte, ist das Erbrechen der Luft. Ich musste mich ständig würgen, um das Aufblähen und Gurgeln zu lindern.“

Warum kann sich der Muskel nicht öffnen? (Ursachenlage)

Eine einzelne „Endursache“ ist bisher nicht belegt – R-CPD gilt als Funktionsstörung des UES. Die Forschung zeigt vor allem Folgendes:

  • Fehlende Entspannung des UES beim Gasaufstieg
    Mit Hochauflösungs-Manometrie (teils mit Provokation durch kohlensäurehaltige Getränke) lässt sich nachweisen, dass der UES beim Aufstoßen nicht relaxiert – die Luft kann nicht entweichen. PMCWiley Online LibraryCGH Journal

  • Wahrscheinlich multifaktoriell, häufig „idiopathisch“
    In vielen Fällen findet sich keine Auslöserkrankung. Diskutiert werden neuromuskuläre Regulationsstörungen (Belch-Reflex), erhöhte Grundspannung des Muskels oder Dystonie-ähnliche Muster – klare Belege für eine Hauptursache fehlen bislang. PMC+1

  • Begünstigende/auslösende Situationen
    Kohlensäurehaltige Getränke verschlimmern die Beschwerden (mehr Gas, mehr Druck). Einzelberichte beschreiben Verstärkungen nach bestimmten Operationen (z. B. bariatrische OP), weil der Magen weniger „Druckpuffer“ bietet – das ist nicht die Ursache, kann aber Beschwerden verstärken. Yale MedicineACS

Prof. Markus Hess über das Leiden der ’no burper‘ und welche Wege es gibt, ihnen zu helfen.
Manchmal sind Flatulenzen und der Blähbauch auch Symptome für R-CPD. mehr hier im Video.

Unser Patient Luca erzählt, wie es ihm ergangen ist.

Zum Download:
Ein Flyer mit den wichtigsten Informationen zu R-CPD
R-CPD

Was hilft – kurz zur Therapie (für Betroffene wichtig)

Botulinumtoxin-Injektion in den cricopharyngealen Muskel (in Narkose oder „in-office“): hohe Erst-Erfolgsraten ~90 %, häufig dauerhafter Nutzen; häufigste Nebenwirkung vorübergehendes Schluckschwierigkeit-Gefühl. Wir setzen dieses Verfahren regelmäßig ein.

Dr. Robert W. Bastian vom Bastian Voice Institute, Chicago, machte den Musculus cricopharyngeus als möglichen Ursprung des Leidens aus. Dr. Bastian schrieb auch die Erstveröffentlichung zur Retrograden cricopharyngealen Dysfunktion (R-CPD) „Inability to Belch“. Sein Therapieansatz ist eine gezielt gesetzte Spritze eines Nervengifts Botulinumtoxin in den Schlundschnürer. Offensichtlich war es der richtige Ansatz, denn die Patienten konnten nach einigen Tagen wieder aufstoßen.
Prof. Markus Hess hat von Dr. Bastian in Chicago das korrekte Setzen der Injektionen gelernt und verwendet diese Methode ebenso erfolgreich bei seinen Patienten mit R-CPD.

Keine Chance zu rülpsen
  • Keine Möglichkeit bewusst oder unbewusst zu rülpsen und Luft aus dem Magen nach oben entweichen zu lassen.
  • Aufgeblähtes, schmerzhaftes Völlegefühl nach den Mahlzeiten. Die Luft im Magen staut sich auf. Immer das Gefühl, dass die Luft die Speiseröhre hinaufsteigen will, aber auf eine Blockade trifft.
Krötenartige, froschähnliche Luftgeräusche
  • Dadurch, dass die Luft nicht herauskommt, entstehen unkontrollierbare dumpfe, gurgelnde, frosch- bzw. krötenartige Geräusche. Dieses ist besonders auch für das Umfeld unangenehm.
Aufblähen des Bauches, der Blähbauch
  • Mit Fortschreiten des Tages sichtbares Aufblähen des Bauches (auch ohne Mahlzeiten).
  • Enorme Schmerzen im Unterleib bei Flugreisen ab 1,5 Stunden aufgrund des langen Sitzens und der sich entwickelnden Luftblase im Bauch.
Peinliche Momente wegen starker Blähungen (Flatulenzen)
  • Exzessive, starke Blähungen einerseits nach großen Mahlzeiten und andererseits beim vollständigen Fehlen von Mahlzeiten.
R-CPD

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